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Aufgepasst: Das eigene Haus „seniorengerecht“ bauen lassen

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Mit der zunehmenden Alterung unserer Gesellschaft ändern sich auch die Bedürfnisse im wohnlichen Bereich. Vor allem für Senioren gibt es hier sehr viele Einschränkungen  vor dem Einzug in eine neue Unterkunft z.B. die Anbringung von Haltegriffen im Bad oder eine Überbrückung der Austrittsstufen zum Balkon.

In Südtirol werden Bauten oft als „barrierefrei“ oder „seniorengerecht“. So geschehen auch im Zuge eines Rechtsstreits vor dem Oberlandesgericht Koblenz. Der Bauunternehmer hatte nach entsprechender Werbung einen Auftrag zur Errichtung von Neubauwohnungen bekommen. Als er den Auftraggeber auf den noch ausstehenden Teil des Werklohns ansprach, resistierte dieser die Zahlung. Was war passiert?

Das Urteil zum „seniorengerechten“ Bauen

Der Auftraggeber und Bauherr kürzte eigenhändig den Werklohn, da die Wohnungen nicht wie vereinbart „seniorengerecht“ gebaut worden wären. Die Bewohner, die demnächst dort einziehen sollten, würden in einer Wohnung mit Barrieren und ohne Stützen und Haltegriffen enorme Schwierigkeiten haben.

Das OLG Koblenz gab am Ende des darauffolgenden Rechtsstreits – dem Bauunternehmer Recht. Dieser habe weder einen stufenfreien Austritt zu den Außenanlagen noch Haltegriffe im Badezimmer einbauen müssen. Grund sei, dass es kein allgemeines Verständnis dafür gebe, wie ein Objekt „seniorengerecht“ beschaffen sein müsse.

Es gebe sehr wohl, so die weitere Rechtsprechung, Definitionen zu einem „barrierefreien“ oder „behindertengerechten“ Beschaffenheitsverhältnis – der Begriff „seniorengerecht“ ist jedoch kein Rechtsbegriff gleichbedeutender Art. Nicht jeder Senior sei auf Grund lediglich fortgeschrittenen Alters als körperlich behindert anzusehen. Eine Zusage zum „seniorengerechten“ Bauen stellt keinen konkreten Inhalt dar und lässt sich auch nicht mit der Verpflichtung zu einer bestimmten Ausstattung in Einklang bringen.

„Barrierefrei“ und „behindertengerecht“ müssen in den Vertrag

Die allgemeinen Regeln der Baukunst erfordern mithin kein behindertengerechtes Bauen. Der Bauherr kann jedoch  eine bestimmte Beschaffenheit des Baus vereinbaren. Er hat die Möglichkeit, sich individuelle Eigenschaften des zu errichtenden Objekts garantieren zu lassen. Darunter fallen das Baumaterial, der Energieverbrauch und weiteres.

Die Begriffe „barrierefrei“ und „behindertengerecht“ sind in (bau-)rechtlicher Hinsicht fast inhaltsgleich. Die Beschreibung für bautechnisch barrierefreie Wohnungen steht in der DIN 18025. Darin ist zum Beispiel zu lesen, dass die Bewegungsfläche vor Türen, Aufzügen und Treppen 1,5 m in Breite und Tiefe betragen muss. Türen in der Wohnung brauchen eine lichte Breite von > 80 Zentimetern, Haus- und Wohnungseingangstüren > 90 Zentimeter.

Fazit

Wünscht der Auftraggeber also eine behindertengerechte Wohnung, muss dies unbedingt in den Werkvertrag oder in die Baubeschreibung so aufgenommen werden. Der Begriff „behindertengerecht“ im Vertragswerk lässt den Bauherrn auf jeden Fall ruhiger schlafen. Seriöse Verkäufer und Bauträger sollten den Begriff „seniorengerecht“ daher nicht verwenden.

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